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Esh'Raen

Esh'Raen liegt östlich von Calythar, jenseits des Großen Risses – und ist praktisch unbekannt. Dauerhafter Nebel verhüllt den Kontinent, und die wenigen, die versuchten, ihn zu erreichen, kehrten verändert zurück oder gar nicht. Was über Esh'Raen bekannt ist, stammt aus alten Texten, mündlichen Überlieferungen und den verstörenden Berichten der wenigen Überlebenden.

Der Große Riss

Der Große Riss ist eine gewaltige Spalte im Seldaischen Meer, etwa dreißig bis fünfzig Meilen vor der Ostküste Calythars. Er verläuft von Nord nach Süd über mehr als zweihundert Meilen, zwischen einer und fünf Meilen breit. Der Riss ist nicht einfach tief – er ist bodenlos. Strömungen führen hinein, aber nichts kommt zurück. Wohin das Wasser geht, weiß niemand.

Aus dem Riss steigt Nebel auf. Kein normaler Nebel – dichter, grauer, kälter. Er bewegt sich manchmal gegen den Wind und kriecht bis zu zwanzig Meilen vor die calythische Küste. In diesem Nebel sehen Menschen Dinge, die nicht sein können. Sie hören Stimmen, die ihre Namen rufen. Die Wachen in Karsuun berichten, dass der Nebel steigt und fällt ohne erkennbares Muster, dass manchmal Lichter darin schimmern, die keine Schiffe sind, und dass der Riss selbst breiter zu werden scheint.

Der Nebel

Zwischen dem Riss und dem Kontinent liegt eine ständige Nebelzone, geschätzt hundert bis zweihundert Meilen breit. Dieser Nebel hat Eigenschaften, die jede natürliche Erklärung sprengen. Die Sicht sinkt auf unter zehn Fuß. Alle Geräusche werden gedämpft. Instrumente versagen – Kompasse drehen sich, Sterne sind unsichtbar. Menschen verlieren das Zeitgefühl und den Richtungssinn. Stimmen rufen aus dem Nichts. Schatten bewegen sich am Rand des Sichtfelds. Das Gefühl, beobachtet zu werden, weicht nie.

Dreiundzwanzig dokumentierte Expeditionen wagten sich vor Jahr 150 der Ordnung in den Nebel. Vier kehrten zurück. Die Überlebenden sprachen von Tagen, die Wochen zu sein schienen, vom Gefühl, im Kreis zu fahren, von Besatzungsmitgliedern, die einfach verschwanden. Sie sprachen von Stimmen, die sie tiefer lockten, und von einem Gipfel im Nebel, der immer nah und doch unerreichbar schien.

Der Kontinent

Was hinter dem Nebel liegt, ist nur in Fragmenten bekannt. Der Kontinent ist vermutlich groß – möglicherweise größer als Calythar. Der westliche Rand, der einzige, der je gesichtet wurde, besteht aus Steilklippen, zweihundert bis fünfhundert Fuß hoch, aus einem Stein, der schwärzer ist als normaler Fels. Keine Strände, keine Buchten, keine Landungsmöglichkeiten. Als würde der Kontinent selbst Besucher ablehnen.

Das Kosmische Gebirge

Das Gebirge ist das Einzige, was verlässlich über dem Nebel sichtbar ist. Bei klarem Wetter kann man von Karsuun aus die Schatten von Gipfeln sehen, die über der Nebeldecke aufragen – höher als alles in Calythar, von einer Form, die falsch wirkt. Zu spitz, zu symmetrisch. Manche schwören, die Gipfel bewegen sich.

Die Überlebenden der Expeditionen beschrieben das Gebirge als etwas, das sich der Wahrnehmung entzieht. Die Berge werden nach Osten hin höher. Die höchsten Gipfel verschwinden – nicht im Nebel, sondern einfach so. Das Licht verhält sich seltsam; Schatten fallen in die falsche Richtung. Die Perspektive verzerrt sich; nahe Berge erscheinen fern, ferne nah. Manche Gipfel scheinen bei bestimmten Konstellationen zu leuchten.

Il'Sereth – Die Alte Kosmologie

Il'Sereth ist das einzige bestätigte Bauwerk auf Esh'Raen – eine Struktur hoch im Kosmischen Gebirge, sichtbar an klaren Tagen als Ansammlung von Türmen oder Säulen auf einem der höchsten Gipfel. Die Form ist zu regelmäßig für eine natürliche Formation. Sie reflektiert manchmal Licht, obwohl keine Sonne sie trifft. Und die Form scheint sich zu verändern, je nachdem, wann man schaut.

Texte aus der Zeit vor Luminox beschreiben Il'Sereth als ein Observatorium – aber nicht für Sterne allein. Ein Ort, an dem die Ebenen der Existenz kartographiert wurden. Ein Zentrum des Wissens über den Kosmos und seine Zyklen. Die Erbauer, sagen die Texte, waren älter als die Erdgebundenen, älter als die Konklaven, älter als alles, was Menschen kennen. Wer sie waren, ist vergessen.

Offiziell hat Luminox Il'Sereth für zerstört erklärt. Es existiere nicht mehr. Es habe nie existiert.

Die Überlebenden sagten etwas anderes. Sie sahen es, hoch über dem Nebel. Es steht noch. Es wartet.

Theorien

Warum der Nebel existiert, weiß niemand. Manche glauben, er sei natürlich – eine Folge des Risses und seiner Strömungen. Andere meinen, er wurde erschaffen, um Esh'Raen zu schützen oder um etwas darin einzusperren. Wieder andere flüstern, dass der Riss mehr ist als eine Spalte im Meer – ein Riss in der Realität selbst, und der Nebel ist das, was durchsickert.

Was in Esh'Raen sein könnte, ist Gegenstand von Spekulationen, Hoffnungen und Albträumen: Die Überreste einer uralten Zivilisation. Wissen, das Luminox fürchtet. Die Antworten auf Fragen, die niemand mehr stellt. Oder etwas, das besser verborgen bleibt.

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